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Umfrage zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Teil 1
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SUNNAA’ AL-HAYAT

Lebensgestalter

 

Umfrage zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Teil 1

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten. Allahs Segen und Heil dem Propheten Muhammad.

Willkommen zu einer neuen Folge der Lebensgestalter, eine Folge, die für mich einen besonderen Wert hat und in mir besondere Gefühle hervorruft, eine Folge von großer Bedeutung. Sie könnte über die Entwicklung der Lebensgestalter entscheiden.

Lasst mich euch etwas sagen: Ich möchte in euch Hoffnung wecken. Die Zukunft gehört euch, ihr Jugendlichen, die Zukunft gehört den Lebensgestaltern. Der Beweis dafür liegt darin, dass jetzt die ganze Welt ihre Augen auf uns richtet, auf die jungen Menschen in der arabischen Welt. Die ganze Welt beobachtet euch. Aber wieso sind die Augen der Welt auf uns gerichtet? Weil ihr den größten Anteil der Jugendlichen der ganzen Welt ausmacht. Es gibt keine größere Anzahl von Jugendlichen als in dieser Region. Nicht nur deswegen, auch weil diese Region zurzeit die Welt bewegt und sich im Umbruch befindet.

Die ganze Welt beobachtet euch. Die Welt beobachtet euch mit einer der folgenden Sichtweisen:

 

  1. Die Sicht des Fürchtenden: Man fürchtet euch, weil eure Anzahl sehr hoch ist und eure Religiosität zunimmt. Man hat Angst vor euch und meint, ihr werdet Aggressivität auslösen.
  2. Die Sicht des Achtsamen und Skeptischen: Man fragt sich, warum ihr schweigt. Warum sind die Jugendlichen in dieser Region so stumm? Ein stummer Haufen, niemand weiß, was sie wollen, was sie sich wünschen, wofür sie sich interessieren, was ihre Forderungen sind oder was sie sich erhoffen. Man ist skeptisch, weil man befürchtet, dass eure Energie wie ein Vulkan ausbricht.
  3. Die Sicht des Mitfühlenden: Man sieht aufblühende Jugendliche voller Energie, Glaube, Reinheit, Loyalität und Ehrlichkeit. Sie würden gerne etwas machen, aber niemand führt sie an, und niemand kümmert sich um sie. Niemand hilft ihnen, ihre Energie zu entladen. Sie finden keine Plätze zum Spielen und auch sonst keine Möglichkeiten, körperlich aktiv zu sein.
  4. Die Sicht des Hoffenden: Man glaubt, dass die Geschichte dieser Region mit eurer Hilfe zu verändern wäre. Es ist die Ansicht jener, die in die Zukunft schauen und sagen: „Das sind die Jugendlichen, die den Aufschwung erreichen werden.“ Das sind nicht meine Worte. Es gibt heute eine Wissenschaft, die sich mit den Zukunftsaussichten befasst, mit dem, was für die Zukunft zu erwarten ist. Es wurde festgestellt, dass die kommenden Generationen der arabischen und muslimischen Jugendlichen, die in dieser Region leben, diejenigen sind, die den Aufschwung erreichen werden. Ich bin einer der Menschen, die das sagen, und das ist auch die Ansicht der Lebensgestalter.

Ihr Jugendlichen, lasst mich euch etwas sagen, was ich schon einmal erzählt habe: Alle hundert Jahre ändert sich die Welt. Die Ideen und Ideologien, mit der die Welt vor hundert Jahren aufgebaut wurde und die als unentbehrlich galten, ändern sich, und es entwickeln sich neue Ereignisse. In dieser Zeit, in der wir leben, wird das Blatt umgedreht und eine neue Geschichte geschrieben. Und passt auf, die ganze Welt mit den vier eben genannten Sichtweisen, auch diejenigen, die uns fürchten, wünschen sich, dass alle Jugendlichen sich bewegen, produktiv sind und als Lebensgestalter aktiv werden. Denn wenn ihr euch nicht bewegt und eure Energie nicht heraus lasst, hat die Region einen Vulkan, der die Erde zerstören wird. Deshalb will jeder, dass ihr produktiv seid und eine greifbare Kreativität in unseren Ländern erkennen lasst.

Es gibt immer gute Vorzeichen, aber diese begreifen nur diejenigen, die sie sehen können. Allah sagt: [Wenn Gottes Beistand kommt und dann der Sieg und du die Menschen in Scharen die Religion Gottes annehmen siehst, dann lobpreise deinen Herrn und bitte Ihn um Vergebung, denn Er ist es, Der die Reue gnädig annimmt.] (110:1-3). Als Allah diese Sure herabsandte, haben die Menschen die Botschaft auf verschiedene Weise verstanden. Viele haben verstanden, dass ein großer Sieg kommen wird. Abu Bakr hat die Übermittlung anders verstanden, für ihn war das der Hinweis, dass der Prophet (s[1]) seine Botschaft vollendet hatte und dass er dann sterben und eine neue Generation seiner Gefährten die Aufgaben übernehmen würde. Er weinte aus Liebe zum Propheten (s) und Respekt vor der Verantwortung. Und ich sage, dass in diesen Tagen auch so ein Hinweis vorliegt, dass eine neue Generation die Verantwortung übernehmen wird. Die Zeitgeschichte weist darauf hin. Seid ihr vorbereitet?

Das ist kein Thema, das in einer einzigen Sendung oder in zwei Worten von mir behandelt werden kann. Es ist eine nationale Angelegenheit und kann ein nationales Projekt für das ganze arabische Volk werden. Worum geht es? Wir haben schon darüber gesprochen, und wir werden jetzt wieder darüber reden.

Die Arbeitslosigkeit: Sie kann wie eine Flut sein, wie die Flutkatastrophe in Asien. Habt ihr mitverfolgt, was die Flut den Menschen angetan hat? Die Flut kann in Sekunden alles überschwemmen. Die Arbeitslosigkeit wächst seit fünf bis zehn Jahren und wird in den nächsten zehn Jahren weiter wachsen. Eine Flut kommt und wird diese Jugendlichen überschwemmen. Trotz der ganzen Hoffnung, über die ich gesprochen habe: Die Arbeitslosigkeit wird die Flut sein.

Was bedeutet arbeitslos? Ein Mann oder eine Frau ist in der Lage zu arbeiten, sucht eine Arbeit, hat die Fähigkeit zu arbeiten, findet aber keine Arbeit. Könnt ihr euch vorstellen, bei wie vielen Leuten diese Definition zutrifft? Es sind 16 Millionen in der arabischen Welt, die keine Arbeit finden, und noch mehr Millionen leiden an versteckter Arbeitslosigkeit. Sie haben eine Arbeitsstelle, aber sie machen nichts. Kannst du dir das vorstellen? Im Jahr 2003 lag die Arbeitslosenrate weltweit bei 12%, und im selben Jahr betrug sie in der arabischen Welt 26,5%. Wie hoch wird sie im Jahr 2015 sein? Sie wird bei 80 Millionen liegen. Das sind nicht meine eigenen Worte, sondern die der ägyptischen Zeitung Al-Ahram. Wisst ihr, was das bedeutet? Das bedeutet, dass wir nicht auf einen Aufschwung zusteuern, sondern auf eine Katastrophe. Ich sage euch, laut der gesamten arabischen Welt, den Experten, der Davos-Konferenz und einem Bericht der Vereinten Nationen handelt es sich um 80 Millionen, die davon betroffen sind. Auch unsere Regierungen geben das zu, also habe ich das nicht erfunden.

Wisst ihr, was 80 Millionen bedeuten? Lassen wir die 80 Millionen. Wisst ihr, was die heutigen 16 Millionen bedeuten? Drogen, Kriminalität, Hass gegenüber der Gesellschaft. Das bedeutet, dass dein Haus und deine Frau bedroht sind, denn 16 Millionen beneiden dich, weil sie nichts zu Essen haben, und sie sind neidisch auf jeden, der gut lebt oder auch nur arbeitet. Das bedeutet die Ausbreitung von Drogen in der Umgebung deiner Kinder, die Verbreitung von Aggressivität, abnorme Denk- und Verhaltensweisen, die Zunahme unverheirateter Frauen und Männer, die Zunahme inoffizieller Eheschließungen, die Zunahme der Unzucht, die Zerstörung der Moral und das Abwenden von der Religion. Wieso Abwendung von der Religion? Weil 1.000 Religionsstunden nichts bewirken können bei jemandem, der keine Arbeit findet und mit 30 Jahren noch Taschengeld von seinem Vater nimmt. Versteht ihr, was ich meine, wenn ich sage, die Arbeitslosigkeit sei eine Flut wie die Flut in Asien und eine nationale Angelegenheit?

Wisst ihr, dass die wichtigste monatliche Bekanntgabe in den hoch entwickelten Ländern, die auch in den Zeitungen veröffentlicht wird, die Arbeitslosenzahl des Monats und deren Ab- oder Zunahme ist? In allen hoch entwickelten Ländern ist das die wichtigste Bekanntgabe überhaupt, und danach wird auch der Wert der jeweiligen Landeswährung bewertet. Man sagt: Der Euro ist teurer geworden. Warum ist er teurer geworden? Weil die Arbeitslosigkeit in Europa abgenommen hat. Man sagt: Der Dollar ist billiger geworden. Warum ist er billiger geworden? Weil es den USA nicht gelungen ist, die Arbeitslosenquote zu senken. Nicht nur das. Weltweit werden Regierungen nach einem einzigen Kriterium gewählt bzw. abgewählt. Wisst ihr, nach welchem? Danach, ob es ihr gelungen ist, die Arbeitslosenquote zu senken oder nicht. Das ist nicht nur in der Gegenwart der Fall.

Damit wollen wir feststellen, wer für die Arbeitslosigkeit verantwortlich ist. Wir müssen endlich begreifen, dass weder die Jugend noch die Lebensgestalter dafür verantwortlich sind. Die Regierungen tragen schon ewig die Hauptverantwortung dafür, selbst zurzeit des Kalifen U’mar Ibn Al-Chattab, Allahs Wohlgefallen mit ihm. Habt ihr die Worte U’mars vergessen, als er abends einmal umherging und einen schreienden Säugling hörte? Da sagte er zur Mutter: „Kümmere dich um ihn.“ Daraufhin sagte sie: „In Ordnung.“ Doch der Säugling weinte weiter, woraufhin U’mar sich darüber ärgerte und sie fragte, was los sei. Sie antwortete erklärend: „Eigentlich versuche ich, ihn abzustillen, weil die Obrigkeit nur für abgestillte Säuglinge Lebensunterhalt zahlt. Deswegen will ich mein Kind schnell abstillen, damit ich einen Anspruch auf den verordneten Unterhalt bekomme.“ U’mar weinte wegen der verlorenen Milchversorgung des Säuglings und ordnete sofortige Hilfe für die Mutter an.

Die Arbeitslosigkeit kann nicht ohne ein nationales Projekt besiegt werden, ein Projekt, an dem wir alle teilnehmen und bei dem wir die Regierungen unterstützen. Wir streiten nicht mit den Regierungen. Wir brauchen Arbeit für unsere Jugendlichen. Wir sollten alle unseren Beitrag dazu leisten. Denn das ist genau unsere Aufgabe.

Betrachtet man die islamische Geschichte, erkennt man erstaunt und voller Stolz, dass das Problem der Arbeitslosigkeit in der islamischen Welt gar nicht bekannt war. Wie kann das sein? Kannst du dir vorstellen, dass die Behebung der Arbeitslosigkeit eine große Sorge der muslimischen Staatsoberhäupter in Andalusien war? Stellt euch vor, A’bdullah Ibn U’mar hat einmal gesagt: „Das größte Übel im Leben sind nicht die Sünden, sondern die Arbeitslosigkeit.“ Daraufhin wurde er gefragt, warum. Er antwortete: „Weil sie der Ursprung aller Sünden ist und weil Allah uns geschaffen hat, damit wir die Besiedlung der Erde fortsetzen."

Also, warum hat die Arbeitslosigkeit nun drastisch zugenommen? Sie hat zugenommen, weil wir von keiner Kontrollinstanz wissen, die jährlich die Bedürfnisse des Marktes erforscht. Die Marktbedürfnisse werden nicht von den Universitäten bzw. Schulen berücksichtigt. Ich weiß von niemandem, der jährlich eine Studie über die Marktbedürfnisse macht und sie dann an die Universitäten weiterreicht. Also absolvieren Studenten an den Universitäten Studiengänge, die eigentlich niemand braucht. Der Markt braucht Leute, die im Moment gar nicht existieren. Die Absolventen sind also gar nicht auf die Marktbedürfnisse zugeschnitten. Die Lücke wird immer größer, deswegen bin ich der Meinung, dass es in der Verantwortung der Regierung liegt, die Auszubildenden mit den Marktbedürfnissen abzustimmen.

Es gibt einen zweiten Grund für die zunehmende Arbeitslosigkeit bei uns. Und zwar haben wir keine großen Nationalprojekte, die die große Masse an Leuten motivieren. Wir haben keine großen nationalen Projekte wie Dschabal[2] A’li in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder der große Staudamm in Ägypten. Wir haben Projekte gegründet, von denen einige in Konkurs gegangen sind. Auf diese Weise haben wir auch das darin investierte Geld verloren. Mit diesen Unmengen von Geldern hätten wir viele Jugendliche beschäftigen können. Daher nähern wir uns der Grenze von 80 Millionen Arbeitslosen. Liebe Leute, die Geschichte lehrte: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Die von Sultan Qutuz gegründete Mamelucken-Dynastie war eine der berühmtesten Dynastien der islamischen Geschichte. Sie kämpfte gegen die Tataren und besiegte sie. Diese Dynastie ist später untergegangen, weil sie sich nicht darum kümmerte, die Jugend zu beschäftigen. Sie kümmerte sich nicht darum, die Produktivität der Jugend zu fördern. Sie hat sich über die Jugend kaum Gedanken gemacht. Sie konzentrierte sich auf die schnellen Einnahmen durch den Zwischenhandel. Später ist diese Dynastie dann untergegangen, weil die Südspitze Afrikas, das "Kap der guten Hoffnung" beim heutigen Kapstadt, entdeckt wurde, der Dynastie der Zwischenhandel entging und kaum mehr Einnahmen in die Staatskassen flossen.

Was können wir tun?

Wir einigen uns darauf, dass wir etwas gegen die Arbeitslosigkeit unternehmen müssen. Bitte folgt mir in dieser Reihenfolge. Die Arbeitslosigkeit ist ein enormes Problem, dessen Verantwortung die Regierungen tragen. Es muss eine Lösung dafür geben und wir müssen uns einmischen. Warum sollen wir uns in diese Angelegenheit einmischen? Liebe Leute, letztlich gibt es für die Arbeitslosigkeit, nachdem sie dieses Niveau erreicht hat, nur eine einzige Lösung. Und das sind die kleinen Projekte. Nicht nur die Industrieprojekte, sondern auch die Handelsgeschäfte, die Dienstleistungen und alle kleinen Projekte. Die Jugendlichen werden damit beginnen. Du und zwei Freunde von dir können ein kleines Projekt gründen. Beschäftigt mit euch noch zwei oder drei Leute oder beginnt zunächst alleine, ein Produkt, eine Dienstleistung oder auch ein Handelsgeschäft anzubieten!

Die Arbeitslosigkeit ist ein weltweit verbreitetes Problem. Sie ist aber in der ganzen Welt geringer als bei uns, weil die Jugendlichen sich mit kleinen Projekten beschäftigen. Macht euch keine Gedanken, denn das ist die einzige Lösung. Wenn man die Pyramide der Beschäftigten von hochentwickelten Ländern betrachtet, sieht man, dass der öffentliche Sektor und die multinationalen Firmen nur 30% ausmachen. Gut, und was ist mit den restlichen 70%? Das sind kleine private Projekte, die von Jugendlichen gegründet wurden. So funktioniert das Ganze weltweit. Aber für die kleinen Projekte sind fünf Dinge erforderlich, damit sie erfolgreich sind:

1. Leistungen:

Leistungen in denen wir im Vergleich besser sind sollte erzielt werden: Du könntest Dinge produzieren, die in China beispielsweise günstiger produziert werden. In diesem Fall werden deine Produkte ungebräuchlich und du wirst dein Kapital verlieren. Worin sind wir vergleichsweise besser als die anderen? Weiß jemand eine Antwort darauf? Worin ist Ägypten vergleichsweise besser als die anderen: Möbel? Das wissen wir nicht. Und das müssen wir wissen. Ich sage euch, das ist eine große Verantwortung.

2. Investitionen

3. Training

4. Vermarktung

5. Verwaltungsumfeld:

Ein Verwaltungsumfeld zu unseren Gunsten sollte geschaffen werden: einfache Steuergesetze für die Jugend usw.

Fünf Aspekte. Vielleicht fragst du dich: Warum macht er uns diese Angelegenheit so schwer? Ich werde es noch einmal wiederholen: Ideen, Geld für die Jugend (wir reden nicht von viel Geld), damit sie kleine Projekte gründen können, Training: Wie sie ihre Produkte herstellen können, wie sie die Erfolgschancen vorkalkulieren, Vermarktung: Wie sie ihre Produkte vermarkten können und die fünfte Sache: ein unterstützendes Verwaltungsumfeld.

Ich werde euch drei Beispiele nennen, damit ihr erkennt, dass das nicht unmöglich ist. Die Sache ist so, wir brauchen Leute, die diese Verantwortung übernehmen. Ein Beispiel aus Bangladesch, ein zweites aus Saudi-Arabien und ein drittes von unseren Lebensgestaltern. Ich muss die Rolle der jeweiligen Völker extra betonen, damit wir anhand dieser drei Beispiele unseren eigenen Beitrag leisten. Die drei Beispiele, die ich gewählt habe, gehören zu den bedeutendsten Beispielen weltweit, in denen Menschen vor der Arbeitslosigkeit geschützt wurden.

Das erste Beispiel kommt, wie gesagt, aus Bangladesch. Was ist das für ein Beispiel? Können wir etwas von Bangladesch lernen? Jawohl! Merkt euch, vor vielen Jahren haben die Japaner eine Mission, eine Gruppe ihrer großen Intellektuellen und Wissenschaftlern, zu Muhammad Ali Pascha in Ägypten geschickt. Sie baten ihn darum, gelehrt zu werden, wie sie produzieren bzw. wie sie dem Land zum Aufschwung verhelfen könnten. Und wo ist Japan heute, und wo sind wir angelangt? Ich habe Befürchtungen, dass Bangladesch Japan erreicht und wir immer noch dort stehen, wo wir jetzt sind. Nun, was ist das eigentlich für ein Beispiel aus Bangladesch? Ein Mann namens Muhammad Yunus war als Universitätsprofessor an der Fakultät für Politik und Wirtschaft tätig. Er lehrte die wichtigsten und modernsten Wirtschaftstheorien. Jedes Mal, nachdem er seine Vorlesung über die Entstehung und Entwicklung der internationalen Wirtschaft gehalten hatte, wie die Menschen erfolgreich werden und Länder sich entwickeln können, verließ er den Hörsaal und begegnete Leuten auf den Straßen von Dhaka, die an Hunger starben oder nichts zu Essen fanden und barfuss durch die Straßen gehen mussten. Der Professor fing an, sich zu schämen, wenn er den Hörsaal betrat. Er kam sich vor, als wenn er in einem amerikanischen Film wäre und nur Theorien erkläre. Kurz danach ging in die Dörfer, um der Wirklichkeit zu begegnen und um zu erfahren, was die Menschen tatsächlich brauchen. Was fehlte, damit diese Menschen erfolgreich würden? Wie sollte er den Menschen helfen? Er gab seine Stelle als Professor an der Uni auf. Es fing sehr merkwürdig an. Er ging zu einer Frau, die aus Bambus Stühle herstellte, und fragte sie, was sie einer dieser Stühle kostet. Sie antwortete, es wären 5 Taka, und sie verkaufe das, was sie daraus macht, für nur 5,50 Taka. Er fragte sie erstaunt: „Aber solche Stühle kosten normalerweise 30 Taka!“ Sie sagte: „Ich habe nicht mal die nötigen 5 Taka. Deswegen gibt mir der Händler die 5 Taka unter der Bedingung, dass ich das fertige Produkt an ihn für nur 5,50 Taka verkaufe. So gewinne ich dadurch nur einen halben Taka, und er gewinnt den Rest alleine für sich selbst.“ Der Professor fragte sie: „Wenn ich dir die 5 Taka geben würde, wärst du damit einverstanden, die gewonnenen 30 Taka mit mir zu teilen? Du 15 und ich 15.“ Sie sagte: „Ja, natürlich.“ Er gab ihr das Geld und sie wurde die erfolgreiche Besitzerin eines kleinen Projekts. Er unterstützte dann eine andere Familie mit seinem Geld und diese wurde auch erfolgreich.

Er wollte die gleiche Geschichte mit dem ganzen Dorf wiederholen, aber wie sollte er das ganze Dorf finanzieren? Er ging zu einer Bank und fragte nach einem Kredit. Die Bank lehnte seine Frage ab mit der Begründung, Banken würden Kredite nur an reiche und nicht an arme Leute vergeben. Daraufhin sagte er der Bank: „Wenn ich euch meine gesamte Habe und mein Auto als Pfand gebe, finanziert ihr dann das Dorf?“ Sie sagten: „Du bist verrückt, aber das würde gehen. Du bist der Bürge, der die Verantwortung dafür übernimmt.“ Er gab sein Geld den Leuten und seine Frau verlangte die Scheidung, weil sie meinte, sie sei mit einem Professor verheiratet und nicht mit einem Bettler, der für die anderen Geld erbettelt. Er hat sich dann tatsächlich von seiner Frau getrennt und gab sein Auto und sein Haus als Pfand an die Bank. Und was ist dann passiert? Das Dorf hat es geschafft, und die Leute fanden Arbeit. Er erweckte diese Leute, die sozusagen schon tot waren, erneut zum Leben. Die Leute fanden nun etwas zu Essen.

Muhammad Yunus hatte diese einfache Gleichung verstanden. Er entschloss sich, das Projekt zu vergrößern und verlangte von der Bank, ihm eine ganze Filiale zu widmen, damit er eine ganze Region beschäftigen kann. Nach zwei Jahren voller Absagen hat die Bank dann doch zugesagt, und das Projekt war erfolgreich. Nicht nur das, Muhammad Yunus gründete selbst eine große Bank, die er die “Bank der Armen“ (Grameen Bank) nannte. Und das ist heute eine der berühmtesten Banken von Bangladesch mit 2,5 Millionen bedürftigen Kunden. Die amerikanische Regierung hat den Professor sogar zur Beratung aufgesucht, nachdem in einigen ihrer Gebiete Fälle von Armut auftraten. Muhammad Yunus hat Projekte in 50 Ländern, leider keine davon in der arabischen Welt.

Muhammad Yunus hat es geschafft und die ganze Welt hat ihm zugehört. Auch wir werden ab heute von der ganzen Welt erhört. Wir wollen unsere Stimme hörbar machen. Wir wollen sagen, dass die Jugendlichen es ernst meinen und nicht so leichtsinnig sind, wie viele Leute glauben.

Das erste Beispiel war Muhammad Yunus, das zweite Beispiel ist eine Firma. Früher gab es für Firmen nur eine Definition. Firmen bedeuteten Geld und Gewinne machen. Aber es ist eine neue Art von Firmen entstanden: Firmen mit Moral. Was sind das für Firmen mit Moral? Was bedeutet das? Es sind Firmen, die Gefühle haben. Stellt euch vor, Firmen, die nicht nur nach Gewinnen, sondern auch nach menschlichen Zielen streben. Firmen, die an beidem interessiert sind, Firmen, die in humanitäre Zwecke investieren, obwohl sie Millionen besitzen. Gibt es tatsächlich solche Firmen? Ja, solche Firmen gibt es in der Tat. Wir haben dazu ein bedeutendes Beispiel. Wir hörten schon einmal, dass Japan das erste Land war, das moralisch motivierte Firmen gründete. Wir haben aber ein besonderes Beispiel für solche Firmen. Der Besitzer der Vertretung von Toyota in Saudi-Arabien, A’bdul-Latif Al-Dschamil, hat eine Institution gegründet, die kleine und wohltätige Projekte unterstützt. Diese Institution begann, Jugendliche zu trainieren. Diese Leute sind heute bei uns zu Gast: Herr Ibrahim Ba-Dawud, der für die kleinen Projekte der Firma von A’bdul-Latif Al-Dschamil verantwortlich ist. Wir werden Herrn Ibrahim zuhören und sind sehr stolz auf so eine Firma. Wir haben eine Nachricht an die Geschäftsleute und die Professoren der Universitäten: Kommt und seht euch selbst Muhammad Yunus und die Institution von Abdul-Latif Al-Dschamil an!

Bitte kommen Sie herein. Ich darf Sie heute herzlich begrüßen. Es ist uns eine Ehre, Sie heute als Gast bei uns zu haben.

Ibrahim Ba-Dawood: Ich bedanke mich für Ihre Einladung. Unsere Geschichte ähnelt der von Muhammad Yunus. Unser Projekt hat mit zehn jungen Männern angefangen, die sowohl im öffentlichen Verkehrsdienst als auch in privaten Taxis gearbeitet haben. Nun haben wir mit Gottes Hilfe über 500 Personen, die seit zwei Jahren im Rahmen dieses Projekts in den saudischen Städten Jeddah, Riad und Al-Dammam tätig sind. Dies hat uns dazu motiviert, uns selbständig zu machen und aus dem Projekt eine selbständige Stiftung zu gründen, die nun „A’bdul-Latif Al-Dschamil-Stiftung für gemeinnützige Dienste“ heiβt. Unsere Dienstleistung beruht, wie bereits am Anfang dieser Folge erwähnt wurde, auf starkem Verantwortungsbewusstseinsgefühl gegenüber unserer Gesellschaft und unseren Mitbürgern. Unsere Dienste, wie der Name unserer Stiftung impliziert, sind nicht auf Gewinn ausgerichtet, sondern dienen sozialen Aufgaben wie etwas der Beschaffung von Arbeitsplätzen und der Fortbildung der Jugendlichen. Diese Dienste sollen eine Basis bzw. Beispiel für ähnliche oder sogar bessere Dienste und Projekte sein. Unsere Stiftung besteht aus drei Hauptbereichen. Der erste Bereich beschäftigt sich mit der handwerklichen Ausbildung, der zweite mit der Förderung kleiner Projekte und der dritte mit der Ausbildung in Bezug auf die Betriebsführung und Administration. Darüber hinaus bietet die Stiftung soziale und medizinische Programme an.

Im Bereich der handwerklichen Ausbildung bieten wir den Jugendlichen, denen die finanziellen Mittel fehlen, die Möglichkeit an, eine handwerkliche Fähigkeit zu erlernen und beherrschen, die sie dann als eine Grundlage für die Gründung eines eigenen Projekts nutzen können. Wir helfen den Jugendlichen bei der Gründung solcher Projekte, indem wir ihnen ein zinsloses Darlehen für ihre handwerkliche Ausbildung zur Verfügung stellen. Nach der Ausbildung können sie sich aus unseren verschiedenen Arbeitsprogrammen eine geeignete Tätigkeit auswählen. Wir verfügen über diverse Arbeitsfelder: Bauindustrie, Elektrizität, Schmiedearbeiten, Schneiderei, Sanitätsarbeiten, Autoreparatur und Dekoration. Darüber hinaus haben wir ein Institut namens „Nafisa Schams-Institut“ für Frauen eingerichtet, in dem sie eine spezielle Ausbildung als Schneiderinnen, Fotografinnen, Kosmetikberaterinnen und Köchinnen erhalten. Mit einer solchen Ausbildung werden sie in der Lage sein, ebenfalls ihr eigenes Projekt zu starten, dass wir bei Bedarf fördern. Auβerdem tragen alle Bereiche der Stiftung zum Marketing der hergestellten Produkte bei. Unser Ziel ist es, so Gott will, die 20700 Arbeitsmöglichkeiten bis Ende 2009 zu beschaffen.

Beim zweiten Bereich, wie bereits erwähnt, handelt es sich um die Finanzierung kleiner Projekte. Jugendliche, die über eine Projektidee und einen Plan verfügen und diese verwirklichen wollen, denen jedoch die entsprechende Ausbildung und Förderungsmittel fehlen, werden in diesem Bereich sowohl mit den finanziellen Mitteln als auch mit fachlichem Rat und Tat von Experten unterstützt.

Darüber hinaus haben wir in Zusammenarbeit mit dem Grameen-Programm in Bangladesch ein spezielles Programm für bedürftige Familien entwickelt, in dessen Rahmen zinslose Darlehen an Familien als Starthilfe gegeben werden. Bisher haben mehr als 1500 Familien an diesem Programm teilgenommen. Die aufgeführten Programme sollten die gemeinnützigen Dienste der A’bdul-Latif Al-Dschamil-Stiftung in Kürze darstellen. So Gott will, werden nach Saudi-Arabien bald ebenfalls Filialen der Abdul-Latif Al-Dschamil-Stiftung in Ägypten, der Türkei, Algerien, dem Sudan, Marokko und weiteren Ländern gegründet.

Amr Khaled: Ich bedanke mich ganz herzlich bei Herrn Ibrahim, möge Gott Sie reichlich für Ihre Bemühungen belohnen.

Das dritte Beispiel sind wir, die Lebensgestalter. Könnt ihr euch an unsere Ankündigung am Anfang der Arbeitslosigkeitsfolge erinnern? Wir haben angekündigt, dass wir ein Beratungsbüro mit dem Ziel eröffnen werden, den Jugendlichen bei der Umsetzung ihrer Ziele und Ideen zu helfen, indem wir ein spezielles Forum auf unserer Webseite www.amrkhaled.net einrichten werden. Dieses Forum soll als eine Vermittlung bzw. ein Treffpunkt zwischen Fachexperten und Beratern auf der einen und den Jugendlichen auf der anderen Seite fungieren. In diesem Forum können die Jugendlichen ihre Projektideen und Pläne präsentieren und sich von den Fachexperten beraten lassen. Bisher haben sich 12000 Jugendliche im Forum registriert. Manche haben uns ihre Projektideen und andere Vorschläge geschickt; 600 von ihnen haben bereits mit der Gründung eines Projekts angefangen. Nun stehen diese Jugendlichen mit unserer Hilfe in Verbindung mit den entsprechenden Beratern und Fachexperten. Darüber hinaus haben einige der Forumsmitglieder untereinander Kontakt aufgenommen und fingen an, miteinander zusammenzuarbeiten. Es gibt sogar welche, die bereits Produkte erzeugt und vermarktet haben. Lasst uns nun das dritte Experiment anschauen….

Unter uns befindet sich ein Fachexperte, der sich in dem Forum registriert hat; wahrscheinlich ist er das erste Forumsmitglied. Er ist ein Fachexperte in Betriebswirtschaft und Marketing und hat sich als sehr erfolgreich in der Firma, wo er arbeitet, erwiesen. Es freut mich, euch heute Herrn Haitham Diab zu präsentieren. Willkommen Herr Diab; es ist uns eine Ehre, Sie heute in unserer Sendung begrüβen zu dürfen.

Herr Haitham Diab: Hallo! Ich bin Haitham Diab. Ich habe mich in dem Beratungsforum registriert und mich gefreut, als ich einige Anfragen bezüglich der Produkte, die wir hier gleich zusammen sehen werden, bekommen habe. Diese Produkte sollen einige Beispiele der vielen Ideen und Träume der Jugendlichen zeigen, die in die Tat umgesetzt wurden. Das erste Produkt, das ich zeigen möchte, ist etwas ganz einfaches und zwar eine Buchstütze. Buchstützen werden in allen Bibliotheken und Buchhandlungen verwendet, beginnend mit der Kongressbibliothek bis zu den Bücherregalen in unseren Häusern. Woraus wird denn diese Buchstütze hergestellt? Die Buchstütze besteht aus Metallresten. Diese Metallreste kann man fast überall finden. Wenn wir diese haben, werden sie mit Hilfe eines manuellen Kompressors eben und flach gemacht. Hier ist ein Kompressor. Wie Sie sehen, braucht der Kompressor gar keinen Strom oder ähnliches und kostet max. zwischen 300 und 500 ägyptische Pfund (ca. 100 $). Natürlich ist der Kompressor, der für die Herstellung der Buchstützen verwendet wird, etwas gröβer als dieser Kompressor hier. Das Metallstück wird in den Kompressor gelegt und durch das manuelle Drehen wird das Metallstück geschnitten und geformt. Daraufhin wird die Buchstütze angestrichen. Hiermit möchte ich Ihnen mitteilen, dass bereits viele Buchstützen produziert und verkauft wurden. Dadurch wurde sogar ein Gewinn erzielt.

In der zweiten Erfolgsgeschichte handelt es sich um die Reste der Schaumstoffe, die sich in den Badeschuhen befinden. Mit Hilfe einer Küchenmaschine, wie dieser, die zu Hause zum Teigkneten verwendet wird, wird der Schaumstoff geschnitten und in verschiedenen Formen mit verschiedenen Farben gebracht, wie etwa diese Figuren, die vor Ihnen liegen. Diese kleinen Spielfiguren wurden ebenfalls mit Gewinn verkauft.

 Die Hauptrolle in der dritten Erfolgsgeschichte spielten Studenten an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften, Al-Mansura[3] Universität. Sie haben Plüschtiere (kleine Bären) hergestellt, worüber Amr Khaled bereits in einer vorherigen Folge erzählte. Vor Ihnen liegt das erste Exemplar, dass die Studenten hergestellt haben. Nachdem sie die Stoffreste aus den Fabriken sammelten, haben sie Muster in der Form eines Bären entworfen und darauf die Stoffe zugeschnitten und mit Stoff gefüttert. Die erste Produktion soll, so Gott will, bald auf dem Markt erscheinen.

Das vierte Produkt sind Kerzen. Ein Mitglied der Lebensgestaltergruppen, die Schwester Ghada Sultan, die an der Universität von Tanta[4] studiert, hat zunächst die Kerzen in kleinen, einfachen Formen gestaltet, die farb- und duftlos waren. Jetzt kann sie farbige und aromatische Formen entwickeln, wie diese, die Sie hier sehen. Solch ein Produkt ist in den europäischen und amerikanischen Märkten zu finden, und wir importieren es für Millionen von Dollars.

Aus diesen Beispielen können wir also erschlieβen, dass wir über ein groβes Erfolgspotenzial verfügen. Zum Schluss möchte ich einige Worte an die Berater und Fachexperten weltweit richten: Sie können am Tag eine oder zwei Stunden, maximal, für die Hilfe und Unterstützung dieser Jugend spenden. Im Koran steht: [Ihr werdet das Gütigsein nicht erlangen, solange ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt,..] (3:92).

Am Jüngsten Tag werden diese Jugendlichen Gott mit diesen Produkten treffen, als Beweis für ihre Anstrengung und Bemühung darum, Sein Wohlgefallen zu erlangen, während die Experten Gott mit ihrer Hilfe und Unterstützung zu diesen Jugendlichen treffen.

Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit!

Amr Khaled: Ich danke Dir vielmals. Dschazaka Allahu chairan.[5]

Trotzdem hilft uns das nicht weiter, wenn wir wollen, dass 80 Millionen Menschen eine Arbeitsstelle finden. Die Jugendlichen, die wir als Beispiele aufgeführt haben, haben die Initiative ergriffen. Aber die meisten Jugendlichen legen die Hände in den Schoß und meinen: „Was haben wir denn zu tun?“ Wir wollen, dass sie von ihrem Nichtstun aufwachen und reagieren. Was will ich also von euch? Im Folgenden erkläre ich euch das Ziel von all dem, was ich von Anfang der Serie an aufzeigen möchte:

Wir wollen, dass die ganze Welt die Meinungen unserer Jugendlichen hört. Wir wollen Himmel und Erde in Bewegung setzen. Wir wollen, dass wir gemeinsam unsere Meinung äußern und nicht jeder allein. Durch einen Fragebogen, den wir schon vorgefertigt haben, soll unsere Meinung als Jugendliche, Erwachsene, Frauen und Männer geäußert werden. Wir müssen hervorheben: Wir brauchen sehr viele Unternehmen, nicht nur eine kleine Anzahl, die für die 80 Millionen Arbeitslosen reichen. Wir brauchen viele Unternehmen, die nicht in erster Linie Gewinn erwarten, sondern vor allem den Jugendlichen das Training, die schöpferischen Ideen, die Finanzierung und das Marketing anbieten. Wir müssen große Unternehmen errichten, die die Jugendlichen unterstützen und z.B. die Regierungen auffordern, die Steuern zu ermäßigen. Solche Unternehmen werden nur errichtet, wenn alle zuständigen Stellen miteinander kooperieren. Unsererseits müssen wir erst unsere Meinung äußern, und zwar durch diesen Fragebogen. Diesen Fragebogen hat eine Gruppe von Statistikern und Wirtschaftswissenschaftlern vorbereitet und er besteht aus 15 Fragen. Das Ergebnis dieses Fragebogens wird der Schlüssel, mit dem wir alle Türen öffnen: Wir wollen, dass Millionen diesen Fragebogen beantworten. Dann will ich selbst den zuständigen Stellen das Ergebnis übergeben: internationalen Institutionen, Staaten, Regierungen, Nationen, Geschäftsmännern usw.

Die Arbeitslosigkeit stellt ein ernstes Problem für uns dar, und ich habe mich dieser Aufgabe gewidmet. In einem Monat habe ich mehr als zehn Länder besucht und deren Geschäftsmänner und Vertreter großer Organisationen getroffen. Ich habe mich mit den Vertretern der A’bdul-Latif Al-Dschamil-Stiftung und Muhammad Yunus getroffen. Sie waren sehr hilfsbereit, aber sie zweifeln an der Ernsthaftigkeit der Jugendlichen. Einer der Geschäftsmänner sagte: „Die Jugendlichen wollen nicht arbeiten. Sie wollen bloß Spaß haben.“ Ich betonte aber, dass die Jugendlichen wirklich arbeiten wollen, es fehlt ihnen nur an Möglichkeiten. Ich habe ihnen versprochen, die Meinung der Jugendlichen darüber weiterzuleiten und versicherte, dass sogar die faulen Jugendlichen nur eine Chance brauchen, damit sie ihre Aufrichtigkeit beweisen können.

Würdet ihr, egal wo ihr seid, mir helfen, den Fragebogen überall zu verteilen, damit eure Meinung die ganze Welt erreicht?

Erinnert ihr euch an die Geschichte des Kopten, der sich bei U’mar Ibn Al-Chattab darüber beklagte, dass der Sohn von A’mr Ibn Al-Aa’s ihn peitschte, als er ihn in einem Pferderennen besiegte. Der Sohn von Amr Ibn Al-A’as sagte zu dem Kopten: „Besiegst du mich, der ich der Sohn des Adligen bin?“ Erinnert ihr euch an diese Geschichte? Was hat der Kopte getan? Er reiste von Ägypten nach Medina, dem Amtssitz von U’mar Ibn Al-Chattab, damit er sein Recht bekommt. Dann ließ U’mar den Sohn von A’mr vorladen und gab dem Kopten die Peitsche, damit er ihn peitscht. Dann sagte er zum Sohn von A’mr: „Warum versklavst du die Leute, wenn sie frei geboren sind?“ Wir erzählen diese Geschichte, weil wir auf U’mar Ibn Al-Chattab stolz sind. Dieses Mal aber sind wir auf den Kopten stolz, dessen Würde das Unrecht verweigerte. Er reagierte auf das Unrecht und beharrte auf sein Recht, so dass er nach Medina reiste. Der Fragebogen ist auch eine Art Aufruf zur Hilfe, genauso wie der des Kopten bei U’mar. Was wäre, wenn der Kopte nicht so reagiert hätte und U’mar Ibn Al-Chattab diese große Aussage nicht ausgesprochen hätte, die die Freiheit aller Menschen betont und auch in der Charta der UN geschrieben steht.

Ihr Jugendlichen, also los! Jetzt habt ihr die Gelegenheit, eure Meinung vor der ganzen Welt zu äußern. Stellt euch mal vor! Wenn wir z.B. fünf Millionen Fragebögen in der Hand haben, beachtet uns die ganze Welt und wir erregen Aufmerksamkeit. Dann können wir zu aller Welt sagen: „Fordert ihr Statistiken? Hier sind Statistiken. Nun aber errichtet große Unternehmen, die die Jugendlichen unterstützen!“

Der Fragebogen enthält folgende Fragen:

 

1-       Haben Sie zur Zeit eine feste Arbeit?

Ja – Nein

2-       Für den Fall, dass Sie Student sind, erwarten Sie, dass Sie nach dem Abschluss Ihres Studiums eine gute, feste Arbeitsstelle bekommen?

3-       Für den Fall, dass Sie keine Arbeit haben, wer kann für die nächsten 10 Jahre Ihrer Meinung nach Ihnen und ähnlichen Fällen eine Arbeitsstelle beschaffen?

4-       Für den Fall, dass Sie Student sind oder keine Arbeit haben, welchen Stellenwert hat für Sie die Suche nach Arbeit:

Steht im Vordergrund – steht im Vordergrund neben anderen Zielen – ist eine Ihrer vielen Anliegen

5-       Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit unter den arabischen Jugendlichen (26,6 %, was heißt: Von 1000 Menschen haben 226 keine Arbeit) meinen Sie:

o        Sie sollten auf eine Arbeitsstelle warten.

o        Sie sollten private Geschäfte in Angriff nehmen, wenn es zuständige Stellen gibt, die sie mit der Finanzierung, dem Training und dem Marketing der Produkte unterstützen.

o        Sie sollten sofort ein kleines privates Geschäft in Angriff nehmen oder ein Handwerk erlernen, ohne auf Unterstützung zu warten.

6-       Wenn Sie ein eigenes Geschäft haben möchten, wissen Sie, wie Sie dieses finanzieren können? Ja – Nein

7-       Viele Jugendliche stoßen auf große Schwierigkeiten, wenn sie ein eigenes Geschäft in ihrem Land eröffnen möchten. Wählen Sie vier davon aus:

o        Probleme bei der Finanzierung

o        Mangel an Praktikumsstellen

o        Die allgemeine Korruption

o        Mangel der Märkte, die die Produkte der eigenen kleinen Geschäfte aufnehmen

o        Die Konkurrenz mit den großen Unternehmen

8-       Wenn Sie ein eigenes Geschäft eröffnen möchten, wissen Sie, wo Sie das nötige Training finden können, dass hierfür erforderlich ist? Ja – Nein.

9-       Für den Fall, dass Sie Investor, Geschäftsmann oder Kapitalbesitzer sind, glauben Sie, dass Sie bereit sind, Jugendliche zu finanzieren, damit sie ein Geschäft eröffnen können, als Lösung gegen das Problem der Arbeitslosigkeit?

10-   Für den Fall, dass Sie Erfahrung im Bereich von Administration und Training haben, sind Sie bereit, den Jugendlichen etwas Erfahrung zu vermitteln?

11-   Für den Fall, dass Sie ein Elternteil eines Jugendlichen sind, der in die Schule geht oder an der Uni studiert, billigen Sie es, dass er/sie danach ein eigenes Geschäft betreibt, anstatt auf eine Arbeitsstelle zu warten?

12-   Für den Fall, dass Sie Elternteil eines Jugendlichen sind, der in die Schule geht oder an der Uni studiert, billigen Sie, dass er/sie in dieser Zeit ein Handwerk erlernt und betreibt?

Passt auf! Je mehr Fragebögen beantwortet werden, je klarer ist das Problem. Der Fragebogen ist nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Geschäftsmänner, Mütter und Väter. Millionen Menschen sollen den Fragebogen beantworten. Ihr sollt Millionen Fragebögen von Millionen Menschen sammeln. Was haltet ihr vom Fragebogen? Er soll sich an der Uni, in der Schule und überall verbreiten. Bemüht euch darum, dass er verbreitet wird! Zögert nicht mit dem Vorwand: „Wir haben Prüfungen!“ Ich bin sicher, dass ihr das schaffen könnt. Die Sache ist ernst. Es geht um nationale Fragen und Projekte. Das ist kein Unsinn. Wie gesagt, der Fragebogen soll sich überall verbreiten: in Moscheen, in Clubs, in Schulen, in Kirchen, überall. Selbst wenn nur eine Frage beantwortet wird.

Sammelt so viel wie möglich beantwortete Fragebögen ein, dann gebt die Ergebnisse auf unserer Webseite www.amrkhaled.net ,oder leitet sie direkt über das Telefon, Fax oder per Post weiter! Wir brauchen Millionen beantworteter Fragebögen. Das ist schwierig, aber machbar. Ihr habt verschiedene Möglichkeiten. Fangt so schnell wie möglich vor der Prüfungszeit an, damit die Schüler und Studenten auch mitmachen. Der Fragebogen steht auf der Webseite zur Verfügung und kann auch direkt dort beantwortet werden. Jeder soll ihn beantworten und einen ausdrucken. Dann soll er Fotokopien davon machen und unter Freunden und Kollegen verteilen. Jeder, sei er Mitglied eines „Lebensgestalter-Klubs“, Angestellter in einem Unternehmen, oder sogar eine Hausfrau. So Gott will, erzielen wir einen großen Erfolg. Ich verspreche euch, dass ich eure Anliegen in der ganzen Welt verbreite.

As-salamu aleikum wa rahmatulallahi wa barakatuh.

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