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Kultur, Kunst, Medien und die Lebensgestalter
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Der Charakter

SUNNAA’ AL-HAYAT

Lebensgestalter

 

Kultur, Kunst, Medien und die Lebensgestalter

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen.

In jeder Sendung zeigen wir einen der Bereiche für den Aufschwung und sprechen darüber. Wir haben bis jetzt sechs Bereiche erwähnt, die wir immer noch besprechen und deren Sendungen sowie diesbezügliche Kommentare und Vorschläge wir weiterhin zeigen. Wir haben auch mit Projekten wie die Abschaffung des Computer- und Internetanalphabetismus begonnen, und wir versichern, dass dies nur der Anfang für viele andere, größere Projekte ist, die für den Aufschwung sorgen werden. Wir haben außerdem die Bereiche der Landwirtschaft, der Industrie, der wissenschaftlichen Forschung, der Bildung und der Frau behandelt. Damit haben wir etwa sechs Domänen gezeigt. Wir werden in den nachfolgenden Sendungen weitermachen und Meinungen und Vorschläge der Leute bezüglich dieser Bereiche und ihrer Wichtigkeit behandeln.

Heute geht es um einen anderen sehr wichtigen und heiklen Bereich, aber bevor ich diesen Bereich und dessen Details angehe, habe ich mir gedacht, ich erzähle euch einige Dinge über die Abschaffung des Computeranalphabetismus, über dieses Projekt, das wir bereits begonnen haben, und über die Jugendlichen und Menschen, die dieses Projekt dann auch tatsächlich durchgeführt haben.

Was uns wirklich gefallen und gefreut hat, ist die große Anzahl an Internetbesuchern im arabischen Raum. Das Gute in den Menschen ist immer noch vorhanden, denn als sie von dem Projekt gehört haben, haben einige Internetcafés einen halben Tag in der Woche gratis für die Internetnutzer zur Verfügung gestellt. Die Anzahl der Internetcafés ist groß und ausreichend, so dass mir einer der Besitzer einen Brief geschickt hat, in dem er sagt: „Aus Solidarität zu Ihnen mit dieser Sendung „Die Lebensgestalter“ ist es mir eine Ehre mitzumachen und 22 Computer pro Tag die ganze Woche lang für die Bildung zur Verfügung zu stellen. Ich wünsche dabei, anonym zu bleiben, denn ich habe es allein aus Liebe zu Allah gemacht, und ich wünsche nur von Allah, Gepriesen und Erhaben sei Er, belohnt zu werden.“ Er hat uns die Adresse des Internetcafés übermittelt.

Zu den schönen Ergebnissen dieser Aktion gehört auch ein Management-Zentrum in Syrien. Der Besitzer hat vor drei Tagen einen Raum, der Platz für 500 Leute bietet, gekauft, mit Computern ausgestattet und für das Projekt zur Verfügung gestellt. Er teilte mit, dass der Hauptsitz seiner Firma eigentlich in einer anderen Stadt ist, aber er hat diesen Standort in der Hauptstadt gekauft, damit man die Möglichkeit bekommt, sich kostenlos fortzubilden. Er macht das nur zum Wohlgefallen Allahs.

So ist es auch mit dem Team der Lebensgestalter in Syrien und ihren Bemühungen dort. Ebenso beim Team der Lebensgestalter in Jordanien, die uns ihre Adressen gesendet haben. Diejenigen, die sich weiterbilden wollen, rufen einfach dort an.

Die Lebensgestalter-Teams in allen Provinzen Ägyptens sammelten 280 Computer. 54 Computertrainer haben sich zum Unterricht bereit erklärt und sich mit 32 Internetcafés geeinigt, damit sie die Jugendlichen dort unterrichten können, wie z.B. die Lebensgestalter-Teams in Gizeh und Damanhur. Auch Viele Moscheen in den arabische Ländern haben Computerkurse angeboten.

 Nachdem wir die Ergebnisse dieses Projekts näher betrachtet haben, kommen wir zurück zum heutigen Thema.

 Kultur, Kunst und Medien

 Bei den vorigen Bereichen habe ich immer angefangen, indem ich die Träume und Vorschläge der Menschen in allen Bereichen vorstellte. Aber die Träume und Vorschläge, die hierfür bei uns eingegangen sind, waren nur sehr wenige, und dafür habe ich zwei Erklärungen:

 Entweder ist dieses Thema für viele uninteressant und die Themen Kultur und Kunst unwichtig oder das Interesse der Leute ist auf Landwirtschaft, Industrie und andere Themen beschränkt. Aber meiner Meinung nach sind dies ernstere der 23 Themen, über die wir sprechen wollen: Die Kultur, die Kunst und die Medien. Und wieso sind diese Themen so wichtige Bereiche? Bevor ich euch das Ausmaß ihrer Wichtigkeit erkläre, beginnen wir zunächst mit einigen Fragen.

 Was ist die Definition von Bildung?

 Wenn wir über Landwirtschaft oder Wirtschaft sprechen, so brauchen wir sie nicht zu definieren. Aber wenn ich von Bildung spreche, ist das ein umfassendes Wort für alles, was ein Volk besitzt, und zwar an Überzeugungen, Wissen, Ideen, Werten, Kunst, Gewohnheiten und Traditionen, Lebensstil und Symbolen von berühmten Persönlichkeiten. All diese Dinge setzen sich im Bewusstsein der Menschen fest und beeinflussen ihr Benehmen in allen Bereichen. Durch dieses Themenfeld wird das Benehmen der Menschen in den politischen, sozialen, wirtschaftlichen und familiären Bereichen beeinflusst. Die Bedeutung ist sehr weitreichend und umfasst unsere ganzen Lebensangelegenheiten.

 Mag sein, dass das Thema kompliziert erscheint. Versuchen wir es zu vereinfachen.

 Was bedeutet nun eigentlich Bildung? Es handelt sich um die Charakterzüge der Nation (möglicherweise ist dieses Wort noch schwieriger). Wenn du wissen willst, wer ich bin, dann schau mich an. Du wirst mich durch meine Gesichtszüge erkennen, oder? Willst du ein Volk und dessen Charakterzüge unter anderen erkennen, dann betrachte dessen Kunst und Kultur. Habe ich es deutlich erklärt? Betrachte auch dessen Medien. Ich glaube, dass es jetzt ganz klar ist.

 Was sind die Charakterzüge unserer Nation heute? Oder hat sie keine? Habt ihr jetzt die Bedeutung von Kultur und Kunst verstanden? Das sind unsere Charakterzüge. Schau dich im Spiegel an, und du erkennst deine Gesichtszüge. Wenn unsere Nation in den Spiegel schaut, erkennt sie ihre Charakterzüge. Unser Spiegel ist unsere Kultur. Dieser Begriff ist äußerst wichtig, und seine Bedeutung ist äußerst ernst.

 Ich erkläre es euch deutlicher. Die Charakterzüge sind das, was am Ende übrig bleibt. Wenn du in den Spiegel schaust, am nächsten Tag aufwachst und wieder in den Spiegel schaust und diese Gesichtszüge nicht mehr siehst, was passiert dann mit dir? Du würdest ganz erstaunt sein und dich fragen: „Wo bleiben meine Gesichtszüge?“ Deshalb spreche ich lauter und sage, was Kultur und Kunst bedeuten. Was sind die Charakterzüge unserer Nation? Wo sind sie geblieben? Denn deine Bildung sind deine Gesichtszüge, und deine Künste sind die Charakterzüge deiner Nation. Ist der weite Begriff von Kultur vermittelt worden? Habt ihr die Wichtigkeit und Ernsthaftigkeit dieses Bereichs erkannt? Nehmen wir an, du hast diese Bedeutung verstanden.

 An wen richten wir unsere heutige Sendung? Sie richtet sich an die Intellektuellen im arabischen Raum und an jene, die sich der Kultur und den Künstlern zugewendet haben. Nicht nur das, die Folge ist auch insbesondere an die jungen Künstler gerichtet, denn sie sind die Generation der Zukunft. Wenn wir uns eine Vorstellung von unseren Ländern in 20 Jahren machen, so sind in 20 Jahren diese jungen Leute die Künstler. Deshalb sprechen wir sie an und bitten sie mitzuwirken, denn sie sind verantwortlich für das Zeichnen der Charakterzüge der Nation. Ähnlich geht es den talentierten Jugendlichen und jenen, die künstlerische Talente besitzen, aber aus religiöser Scheu womöglich Ängste haben, auf diesen Bereich der Kunst und Kultur einzugehen. So bitten wir sie, diesen Weg zu gehen, aber unter der Bedingung, dabei unsere Charakterzüge nicht zu retouchieren oder an ihnen Schönheitsoperationen durchzuführen, bis letztendlich unsere eigenen Charakterzüge gegen fremde umgetauscht würden.

 Deshalb richte ich meine Worte an die jungen Künstler, denn sie sind die Betroffenen dieser Folge. Ich wünsche mir, dass sie zuhören. Alle, die mir in dieser Folge zuhören, bitte ich, meine Worte an die jungen und alten Künstler sowie die Kultur- und Kunstbegabten im arabischen Raum weiterzugeben. Denn ihr seid die Zeichner der Charakterzüge der Nation. Ich bitte euch, unsere Charakterzüge, aber keine anderen, zu zeichnen und sie nicht auszulöschen. Ich sage und verdeutliche es, denn woher kommt die Kultur, und wo liegen ihre Quellen im arabischen Raum? Ich werde diese schnell erwähnen, und wenn ich jede einzelne erwähne, werdet ihr von ihrer Herkunft überzeugt sein.

 Was bedeutet nun Kultur?

Unter “Kultur“ versteht man das Buch, das Theater, das Kino, das Gedicht, die Literatur, den Roman, die Museen, die archäologischen Funde, die alten Manuskripte, das Malen, die Bildhauerei, die bildende Kunst, die Schauspielerei, das Lied und das Theaterstück. So ist Kunst ein Teil der Kultur, und infolgedessen sind die Massenmedien, sei es das Radio, das Fernsehen, das Kino oder das Theater, das Mittel zur Verbreitung dieser Kultur. So versammeln sich Medien, Kultur und Kunst miteinander. Und aus all diesem will ich unsere Charakterzüge hervorbringen.

 Sehen wir mal nach, woraus wir nach dieser Definition unsere Kultur entstehen lassen. Unsere Kultur entnehmen wir unseren arabischen Ländern, denn unsere Länder sind das Land der Offenbarungsreligionen. Allah, der Erhabene, hat arabische Länder auserwählt und ausgezeichnet. Die ganzen Propheten, von denen im Koran die Rede ist, stammen aus der arabischen Welt. Unsere Kultur stammt aus der Kultur aller Offenbarungsreligionen. Hud war aus diesem Land, Saleh, Abraham, Moses, Isa und Muhammad (s[1]). Allah, der Gepriesene, hat zu all seinen Propheten gesagt: „Ergebt euch Gott.“ Wir schämen uns nicht, dass unsere Kultur unserer Religion entstammt.

 Nicht nur das, unsere Gemeinschaft ist eine Jahrhunderte alte Gemeinschaft. Wisst ihr, dass der Anfang und Ursprung der antiken Kulturen in unseren Ländern liegt? Die Kulturen der Pharaonen, der Phönizier und der Assyrer, danach kam der Islam mit einer neuen Blüte. Er hat alle Kulturen zusammengefasst, das Nützliche aufgenommen und alles  unter dem Siegel des Islam vereint.

 Als A’mr Ibn Al-Aa’s Ägypten eroberte, zerstörte er nicht die Pyramiden oder die Sphinx. Der Koran bringt uns bei, wie wir diese archäologischen Andenken nutzen können, und berichtet uns auch, wie wir uns an den früheren Gemeinschaften und Kulturen ein Beispiel nehmen können. Es gibt keinen Aufschwung ohne Kunst und Bildung, vielmehr müssen Kunst und Bildung dem Aufschwung und der Kultur vorangehen.

 Betrachten wir die Ausbildung als Beispiel. In der Ausbildung bekommen wir Noten und schließlich ein Zeugnis. Der Student achtet aber nicht darauf, auf welche Weise er es erworben hat. Ob durch Schummeln in den Prüfungen oder durch unnötige Privatstunden, Hauptsache man bekommt ein positives Zeugnis, kann es einrahmen und im Haus aufhängen, denn das ist Wissen. Aber es ist eine Art von Wissen, die der Gesellschaft schadet. Die Bildung der Gesellschaft ist ein Schauspiel, in dem den Schülern beigebracht wird, wie sie ihre Lehrer beleidigen. Das ist Bildung. So sehen wir also, wie die Allgemeinbildung die Ausbildung beeinflusst und wie Ausbildung eigentlich vor der Allgemeinbildung kommen sollte.

 Ein anderes Beispiel: Wohin gehen Tausende von Universitätsabsolventen nach ihrem Abschluss? Was passiert nach der Uni? Sie sitzen zu Hause. Und weshalb? Weil ihre Erziehung ihnen sagt: „Dein Ansehen in der Gesellschaft ist schlecht, und du kannst nicht heiraten, wenn du keinen Abschluss hast.“ Das erste, was der Vater der Braut fragen wird, ist, ob der Heiratswillige einen Abschluss hat. Wenn er aber einen handwerklichen Beruf oder eine einfache Arbeit ausübt, von der er ein Einkommen bezieht und in der er erfolgreich ist, ist das trotzdem eine Schande. Das ist die Allgemeinbildung der Gesellschaft. Und daher ist der Startpunkt, wenn wir die Ausbildung in unseren Ländern korrigieren möchten, die Allgemeinbildung.

 Hier ist ein anderes Beispiel, diesmal zum Thema Gesundheit. Die Jugend isst zunehmend in Fastfood-Restaurants und wird dadurch häufig krank.

 Ist es Kultur, dass man Jugendliche sieht, die keinen Wert im Leben sehen? Ist das wirklich die Kultur eines Volkes.

 Du findest aber auch eine ernste Jugend, und dies ist die Kultur eines anderen Volkes. Die Bildung ist das, was die Gesellschaft führt und auch alle anderen Bereiche beeinflusst: Gesundheit, Arbeitslosigkeit, sogar Religion. Du wirst viele Gläubige sehen, die jedes Jahr eine Pilgerfahrt nach Mekka machen. Aber wenn du einem vorschlägst, dieses Geld in wissenschaftliche Forschung zu investieren, wird er sich weigern, auch wenn du ihm sagst, dass die wissenschaftlichen Forschungen den Muslimen nützlich sein werden. Das ist die Allgemeinbildung und Erziehung einiger Leute.

 Es gibt einen Unterschied zwischen Ausbildung und Allgemeinbildung. Es kann sein, dass jemand bestens ausgebildet ist, aber kein Allgemeinwissen hat. Das kann auch ein Universitätsprofessor sein, denn sein Wissen ist nur auf seine Bücher beschränkt, aber in Sachen Leben weiß er nicht, wie sein Wissen der Welt nützlich sein kann oder ob sein Land ihn braucht und ob die Muslime ihn brauchen, denn er hat kein Allgemeinwissen.

 Es kann auch sein, dass jemand religiös ist, aber nicht gebildet. Wenn du mit ihm über Themen sprichst, die außerhalb der Religion liegen, kennt er sich nicht aus, denn er weiß nicht, was um ihn herum in der Welt abläuft oder wie die Situation der Muslime ist. Er kennt keinen Plan für den Aufschwung, er kann auch nicht beim Fortschritt seines Landes mithelfen, denn er ist unwissend in all diesen Bereichen. Denn der Gegensatz zu einem Gelehrten ist ein Unwissender oder ein Ungelehrter, und der Gegensatz von einem Gebildeten ist auch ein Ungelehrter, aber auf eine andere Weise, auf eine Weise von der auch der Koran berichtet: [Es gibt Ungelehrte unter ihnen, die das Buch nicht kennen, sondern nur Wunschvorstellungen...] (2:78). Sie können lesen, aber in der Bildung, von der ich rede, sind sie Analphabeten, weil sie das, was sie lesen, nicht nutzen und im Leben nicht anwenden können.

 Wenn dies das Problem ist, wie sieht dann eigentlich die Sicht des Islam zu Bildung und Kunst aus? Kümmert sich der Islam um diese Angelegenheit, oder ist es verboten, unerlaubt und eine Schande? Wir wollen sehen, was der Islam dazu sagt. Wir werden viele schöne Sichtweisen dazu kennen lernen.

 Das erste, womit ich anfangen möchte, ist die Basis, die der Islam für die Kunst gewählt hat. Es ist die Wahrnehmung von Schönheit, damit man überhaupt einen Geschmack für Kunst entwickeln kann. Denn der Islam erzieht in uns das Gefühl für Schönheit. Der Koran erzieht in uns das Gefühl für die Schönheit des Universums und umschreibt uns herrliche göttliche Bilder, wie wir dieses Universum verstehen, es erleben und seine Schönheit fühlen können. Das ist der Ursprung von Kunst und Bildung. Siehe, wie der Koran vom Vieh spricht: [Und das Vieh hat Er erschaffen, ihr habt an ihm Wärme und Nutzen; und davon esset ihr.] (16:5), gemeint ist der materielle Nutzen, [Und es ist schön für euch, wenn ihr (es) abends eintreibt und morgens austreibt.] (16:6). Es hätte genügt, dass nur der materielle Nutzen erwähnt wird, aber Allah wollte uns auch die Schönheit des Erscheinungsbildes zeigen und das Gefühl für die Schönheit beim Muslim fördern. Noch ein Vers über das Vieh: [Und (erschaffen hat Er) Pferde, Maultiere und Esel zum Reiten und zum Schmuck...] (16:8), auch der Vers, der vom Meer spricht: [Und Er ist es, Der (euch) das Meer dienstbar gemacht hat, auf dass ihr zartes Fleisch daraus esset und Schmuck daraus gewinnt, um ihn euch anzulegen...] (16:14), oder wie der Koran von den Früchten spricht: [....Esset von ihren Früchten, wenn sie Früchte tragen...] (6:141), und in einem anderen Vers: [...Betrachtet ihre Frucht, wenn sie Früchte tragen...] (6:99). Der materielle Standpunkt ist gemeint, wenn der Koran vom Essen spricht, und wenn er von der Betrachtung spricht, dann ist der Standpunkt der Schönheit damit gemeint.

 Merken wir, wie der Koran das Schönheitsbild hervorhebt?

 Auch wie er den Himmel beschreibt: [Haben sie nicht zum Himmel über ihnen emporgeschaut, wie Wir ihn erbaut und geschmückt haben und dass er keine Risse aufweist?] (50:6). Seht ihr auch die Schönheit des Himmels? Seht, wie der Koran von den Gärten erzählt: [Wer hat denn Himmel und Erde geschaffen und euch vom Himmel Wasser herabkommen lassen? Damit haben Wir herrliche Gärten wachsen lassen, deren Bäume ihr nicht wachsen lassen könntet...] (27:60), und das Entzücken über die Schönheit der Gärten bringt Freude in das Herz. Der Koran erzieht in unseren Herzen das Gefühl für Schönheit, und das ist der Grundstein für Kunst. Man merkt es auch, wenn der Koran über die Schönheit des Menschen spricht: [...Der euch Gestalt gegeben und eure Gestalten schön gemacht hat...] (40:64), [O du Mensch! Was hat dich hinsichtlich deines Ehrwürdigen Herrn betört, Der dich erschuf und dich dann ebenmäßig geformt, und in einer geraden Gestalt gemacht hat?] (82:6-7). Können wir so die Schönheit in der Erschaffung sehen? Zieht das nicht unsere Aufmerksamkeit an?

 Sieh auch, wie der Koran vom Universum spricht: [...Das (ist das) Werk Allahs, Der alles vollendet hat...] (27:88), [Der alles vollkommen gemacht hat, was Er schuf...] (32:7), [Der Schöpfer der Himmel und der Erde...] (2:117). Sehen wir, wie Allah dieses Universum verschönert hat? Wäre es nicht möglich gewesen, dass Allah diesen Himmel nur schwarz und weiß gemacht hätte? Aber Er hat ihn mit Farben geschmückt, so lernen es die Künstler.

 Der Prophet (s) ist mal einen Weg entlang gegangen und hat Abu Musa Al-Aschaa’ri beim Koranlesen gehört. Abu Musa hatte eine sehr schöne Stimme, also hat sich unser Prophet (s) hingesetzt und ihm zugehört. Am nächsten Tag hat er ihn getroffen und ihm gesagt: „Abu Musa, wenn du mich gestern gesehen hättest, wie ich dir zugehört habe. Dir wurde ein Psalm von den Psalmen Davids gegeben.“ Abu Musa entgegnete ihm: „Gesandter Allahs, bei Allah, hätte ich gewusst, dass du mir zugehört hast, so hätte ich meine Stimme noch besser gemacht“, woraufhin der Prophet (s) lachte.

 Sehen wir mal nach, wie der Prophet (s) mit den Künstlern umgegangen ist. Wundert ihr euch über das Wort? Die Dichter sind nun die Künstler. Wenn der Prophet (s) erfuhr, dass eine Karawane kam, in der ein Dichter beziehungsweise ein Künstler dabei war, so ist ihm der Prophet (s) freundlich begegnet und hat ihn in außerordentlicher Weise empfangen. Denn der Prophet (s) wusste um die Wichtigkeit von Bildung und Kunst in der Gesellschaft. Und Abu Bakr wusste, was der Prophet (s) wollte. Er sagte ihm zum Beispiel, dass in dieser Karawane Zuhair dabei war. Der Prophet (s) ging dann zur Karawane und begrüßte jeden einzelnen, und Abu Bakr stellte dem Propheten (s) alle vor, bis der Prophet (s) dann bei Zuhair angelangt war und Abu Bakr ihn vorstellte. Da begrüßte ihn der Prophet (s) mit „der Dichter!“. Zuhair sagte: „Ich habe mich nie so sehr über etwas gefreut, wie als er mich Dichter nannte.“ So sehen wir also, wie der Prophet (s) Zuhair für sich gewonnen hat.

 Die hier gemeinten Gedichte sind solche, die die Charakterzüge unserer Gemeinschaft zeigen und die von der Botschaft unserer Gemeinschaft berichten, nicht die Art von Gedichten, die das Bild unserer Nation beschmutzen.

 Als der Dichter Hassaan die Charakterzüge unserer Gemeinschaft verteidigt hat, hat er sie auch hervorgehoben. Zu ihm hat der Prophet (s) gesagt: „Sprich, und Dschibril (Gabriel) ist mit dir.“ Der Prophet (s) hat das zu keinem anderen seiner Gefährten gesagt, auch nicht während einer Schlacht, er hat es zu einem Gefährten gesagt, der die Botschaft von Kunst und Bildung verbreitet. Nach diesen Worten, wie können wir sagen, dass der Islam Kunst und Bildung nicht fördert?

 Ich gebe dir ein klares Beispiel. Der Prophet (s) wollte den Muslimen eine wichtige Idee lehren: Was ist das Wichtigste im Islam, was ist die Definition von Islam, was ist die Definition von Glauben?

Wir alle kennen die Überlieferung, denn sie ist sehr bekannt: „Islam ist, dass du bezeugst, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist, dass du das Gebet verrichtest, die Zakat entrichtest, im Ramadan fastest und nach Mekka pilgerst, wenn es dir möglich ist...“ Und was ist Glaube? Er sagte: „Du sollst an Allah glauben, Seine Engel, Seine Bücher,  Seine  Propheten und den Letzten Tag.“

 Ich werde euch jetzt einen wichtigen Hadith[2] erzählen, in dem ihr eine ungewöhnliche Szenerie vorfinden werdet. Es wurde überliefert: „Eines Tages, während wir bei Allahs Gesandtem (s) saßen, erschien ein Mann vor uns mit sehr weißen Gewändern und sehr schwarzem Haar. An ihm war keine Spur der Reise zu sehen, und von uns kannte ihn keiner. Schließlich setzte er sich zum Propheten (s) (er grüßte niemanden von den Gefährten), lehnte seine Knie gegen dessen Knie, legte seine Handflächen auf dessen Oberschenkel (auf die Oberschenkel des Propheten (s)! Was für eine seltsame Sitzstellung!) und sagte: „O Muhammad (er sagte nicht: O Gesandter Allahs), unterrichte mich über den Islam.“ Da sagte Allahs Gesandter (s): „Islam ist, dass du bezeugst, dass es keinen Gott gibt außer Allah“, usw. Er sagte: „Du hast recht gesprochen“, und wir waren erstaunt, dass er (der Mann) den Propheten (s) fragte und sagte, er spreche Recht. Der Mann sagte: „Erzähle mir vom Glauben.“ Der Prophet (s) sagte: „Du sollst an Allah glauben…“ Der Mann sagte: „Du hast recht gesprochen.“ Er sagte: „Erzähl mir von den guten Werken.“ Der Prophet (s) antwortete ihm und er sagte wiederum: „Du hast recht gesprochen.“ Dann ging er fort, ohne uns zu grüßen.“

Was würdest du tun, wenn du zu ihnen gehört hättest? Du wärst überrascht gewesen über das, was du gerade beobachtet hast. Der Prophet (s) hätte die Kanzel (Minbar) besteigen können und die Gefährten einfach über den Islam und den Glauben unterrichten können. So ging aber der Mann, und alle Gefährten waren erstaunt.

„Der Prophet (s) sagte zu den Gefährten: „Wisst ihr, wer der Fragende war?“ Wir (die Gefährten) sagten: „Allah und Sein Gesandter wissen es am besten.“ Er sagte: „Es war Dschibril, er kam zu euch, um euch eure Religion zu lehren.“

Dschibril kam also in der Gestalt eines Menschen. Aber wozu diese ganze Geschichte? Damit ihnen die Bedeutung in ihren Gemütern eingeprägt wird.

Wir sehen, wie der Islam daran glaubt, dass das Bild beeinflussender wirkt als eine Rede. Und das ist einer der grundlegenden Hadithe in unserer Religion. Wollt ihr einen stärkeren Beweis als diesen?

 Wie betrat denn der Prophet (s) die Stadt Medina? Wurde er nicht mit dem bekannten Lied „Der Vollmond ist über uns aufgegangen“ empfangen, anstatt mit dem Koran?

 Als bei ihrer Abreise zur Eroberung von der Schlacht Khaibar die Lage sehr schlecht war und die Stimmung der Gefährten sank, blieb dem Propheten (s) nichts weiter übrig, als zu sagen: „Ibn Rawaha, lass uns eines deiner Lieder hören.“ Stellt euch vor, er wollte ihre Stimmung heben und sie mittels der Kunst ermutigen! Erkennt ihr all diese Beispiele aus dem Islam, die ich euch vorgestellt habe? So begann also Ibn Rawaha mit seinem Gedicht:

 „O Allah, wenn du uns nicht recht geleitet hättest,

Wir hätten weder gespendet noch gebetet.

So segne uns mit Ruhe,

und stärke uns beim Gefecht.

Und wenn dann die scharfe Waffe unerwartet kommt,

und sie einen Aufstand wollen,  sind wir bereit!“

 U’mar Ibn Al-Chattab sagte zu sich: „Was ist denn das? Was für Verse in dieser Situation, während wir auf dem Weg in den Krieg sind!“ U’mar sagte: „So kam es, dass ich den Propheten (s) hinter Ibn Rawaha folgende Worte wiederholen hörte: „Wir sind bereit, wir sind bereit, wir sind bereit…“ Also schrie ich mit Ibn Rawaha: „Wir sind bereit, wir sind bereit…“

 Daher sind Kunst und Kultur zentrale Aspekte des Aufschwungs jeder Gemeinschaft. Der Prophet (s) begann damit schon vom ersten Tag an. Und danach folgte auch die islamische Kultur dem Interesse des Propheten (s) an Kunst und Kultur.

 Ich möchte eure Aufmerksamkeit auf einen wichtigen Punkt lenken, und zwar auf das starke Interesse der Muslime an Kultur, Kunst und Medien. Haben wir vergessen, dass die Kanzel ein Mittel zum Unterrichten war? Die Kanzel wurde für den Redner als Mittel zur Kommunikation gebaut. Sie ist ein Mittel zum Gespräch zwischen dem Redner und dem Zuhörer. Somit ist die Präsentation eines Bildes aus Sicht des Islam sehr wichtig, denn das Wahrnehmen der Informationen mit den Augen ist eine sehr wichtige Funktion.

Sogar die Komödie existierte zur Zeit des Propheten (s). Ibn Hadschr erwähnte in seinem Buch “Al-Isaba“ (Die Verwundung) diejenigen Gefährten, die Spezialisten darin waren. Diese sagten von sich selbst, dass sie in Medina, wo sie mit vielen Problemen und Schwierigkeiten konfrontiert waren, den Propheten (s) und seine Gefährten zum Lachen bringen wollten mit der Absicht, sie zu beruhigen und zu unterhalten, da sie große Verantwortung und Last trugen. Sogar die Komödie wurde also im Islam angewandt.

 Ein Gefährte des Propheten (s) namens Na’iman beschäftigte sich damit, wie er den Propheten (s) und die Gefährten aufheitern könnte. Eines Tages sah er einen Mann Honig verkaufen. Dieser kam aus der Wüste und hatte den Propheten (s) noch nie gesehen. Na’iman nahm ihn mit zur Tür des Propheten (s) und nahm von ihm einen Honigtopf. Dann ging er zum Propheten (s) und sagte: „Ich wollte dir Honig schenken, da du ja Honig liebst.“ Der Prophet (s) freute sich und bedankte sich bei ihm. Als Na’iman hinausging, sagte er zu dem Nomaden: „Nimm dein Geld von dem Mann in dem Haus“ und er verließ ihn. Der Nomade klopfte an und der Prophet (s) öffnete. Er fragte ihn nach dem Geld für den Honig, aber der Prophet (s) war erstaunt und sagte: „Welcher Honig, das ist ein Geschenk.“ Der Nomade sagte: „Willst du mich etwa bestehlen?“ Der Prophet (s) sagte: „Das war sicherlich Na’iman, der uns einen Streich gespielt hat“ und bezahlte schließlich den Nomaden. Er ging sodann zu Na’iman und fragte ihn, wieso er dies getan hat. Na’iman antwortete: „Ich wusste, dass du Honig liebst, aber ich hatte kein Geld, also dachte ich, wenn ich dir den Honig geben würde, würde Allah ihn schon für dich bezahlen.“ Das war also Na’iman, der zu scherzen pflegte, doch er tat es ja in guter Absicht.

 Das, was ich mit all diesem eigentlich sagen will, ist, dass sich nach der Zeit des Propheten (s) eine große Kultur darauf aufgebaut hat. Aber ich bin nicht da, um euch zu zeigen, in welchem Maße sich der Islam für dieses Thema interessierte, vielmehr will ich mit euch über folgenden Punkt sprechen:

 Wir wollen, dass sich junge Künstler und Begabte am Projekt der Lebensgestalter und am Projekt für den Aufschwung beteiligen. Ohne euch gibt es keinen Aufstieg oder Fortschritt. Eure Teilnahme, eure Hilfe und eure Unterstützung sind sehr wichtig zum Erreichen dieses Aufschwungs. Wir brauchen euch. Warum beschränken sich die Lebensgestalter-Gruppen in allen arabischen Ländern nur auf Jugendliche von den Fakultäten der Architektur, der Medizin, dem Handel und der Literatur? Wo ist eure Rolle? Wo sind die Lebensgestalter-Jugendlichen aus den Kunstakademien? Wo ist die begabte Jugend der Lebensgestalter in allen Bereichen der Kunst und Kultur? Wieso sind da keine Künstler, die die Verantwortung für unsere Botschaft übernehmen und mitmachen, um einen Aufschwung zu verwirklichen?

 Nachdem wir nun die Kunst aus islamischer Sicht betrachtet haben, sollten wir wissen, wie die Lage von Kunst und Kultur heutzutage in unseren Ländern ist.

Ich sage es euch, ohne jemanden verärgern zu wollen: Alles ist einfach blinder Abklatsch. Wisst ihr, was blinder Abklatsch bedeutet? Der Video-Clip besteht aus einem Bild und dem Songtext. Das Bild ist westlich, doch die Worte sind die unseren. Das Problem der Video-Clips sind nicht nur die obszönen Worte und Bewegungen. Das größere Problem ist der Import von etwas, was uns nichts angeht, was nichts mit unserer Kultur zu tun hat. Das Bild ist importiert, während die Stimme die unsere ist. Was ist dann der Wert dieser Arbeit? Nichts, denn diese Kunst hebt nicht den Geist. Sie ist ausgerichtet auf das Verlangen und den Trieb, das ist jedenfalls das Ergebnis von blinder Nachahmung.

Das zweite Problem ist der Import. Das ist eine wahre Katastrophe, ein großes Problem bei uns, denn wir importieren sowohl Kultur als auch Kunst, die nicht zu uns passen. Dieses Problem ist sogar größer als unser landwirtschaftliches Problem. Wenn wir Weizen importieren, essen wir von anderen, wenn wir aber auch Kultur und Kunst importieren, dann löschen wir damit unsere Merkmale aus und ersetzen sie durch künstliche Masken, die nicht für uns gedacht sind. Das ist eigentlich gefährlicher als der Import von Agrarerzeugnissen. Gefährlicher als Weizen ist es, Kunst zu importieren, denn so werden wir wie nachahmende Papageien. Siehst du die Gefahr in dieser Angelegenheit?

Was ist denn das dritte Problem in unseren Ländern? Es gibt einfach keine schöpferische Leistung. Tatsächlich ist die schöpferische Leistung bzw. die Kreativität die Erfindung einer Sache, die es vorher noch nicht gab. Gegenwärtig sind, ohne traurig zu werden, 70% unserer Werbespots vom spanischen und italienischen Fernsehen übernommen worden. Und die Musik, die wir in unserem Land hören, ist auch größtenteils übernommen, aber 90% sind von der türkischen und westlichen Musik. Wir erfinden nichts, und unsere Musik ist wertlos. Der Grund dafür ist der Mangel an innovativen Erfindern. Sie sind achtlos oder haben keinen Ehrgeiz, um über Kreatives nachzudenken. Und so bestehen die Liedtexte aus nichts als belanglosen Worten. Aus diesem Grund haben wir wenige Filme, die einen Preis gewinnen. Und deshalb gibt es auch wenige Lieder mit wirklichem Wert. Die meisten Lieder drehen sich um das gleiche Thema: Mein Liebling, ich liebe sie, ich kann nicht ohne sie leben, ich werde sterben ohne sie, ich kann sie nicht verlassen, warum hat sie mich denn verlassen, wie kann ich sie wieder zurückholen, jemand soll mir das sagen und wer kann mir denn meinen Liebling zurückbringen. Sogar diese Worte deuten auf Negativität hin.

Jemand erzählte mir mal von einer guten Idee. Er meinte, sag es den Leuten in der nächsten Folge. Wenn ihr wissen wollt, wie einfallslos die Kunst bei uns ist, dann schreibt die Worte von irgendwelchen eurer Lieblingslieder auf und lest sie danach laut vor, dann werdet ihr sehen, wie sehr ihr über diese Worte lachen werdet wegen ihrer Wertlosigkeit.

 Denn du wirst sie entweder bedeutungs- und zusammenhangslos finden oder eben unverständlich. Der Sänger singt nämlich dieses Lied nach den Anweisungen des Autors, ohne logische Ordnung. Anschließend erscheint noch eine Tänzerin neben ihn, um seine Stimme zu verdecken. Wo ist denn da die schöpferische Leistung? Wo ist denn da die Schönheit der Worte? Ist das nicht der jetzige Zustand unserer Kunst?

 Wo sind die Museen und Ausstellungen, die die schönen Künste und Malereien zeigen? Wenn du mal nach London kommst und am Sonntag an der Mauer des Hyde Park entlangläufst, dann wirst du sehen, dass die ganze ein Kilometer lange Mauer dieses Parks von wunderbaren Malereien bedeckt ist. Leider aber finden wir bei uns weder schöpferische Leistungen, noch irgendeine Art von Kreativität.

 Ihr Künstler, am Tag der Abrechnung werdet auch ihr alle befragt. Man wird euch sagen, dass ihr die Charakterzüge der islamischen Gemeinschaft verdorben habt, und wofür? Um euch euren Lebensunterhalt zu verdienen? Ihr, die ihr mich hört, ihr solltet diesen Zustand nicht akzeptieren. Es ist eure Aufgabe, den Künstlern meine Worte zu übermitteln, mit aller Höflichkeit und Feinheit, mit gutem Rat und Weisheit, wie es uns unser Prophet (s) gelehrt hat. Was werden wir ihnen sagen?

 Akzeptiert ihr das denn, dass diese Art von Kunst euren Kindern dargeboten wird? Dein Sohn ernährt sich von dieser Kultur, während du zusiehst, wie sich sein Gehirn verwandelt, ohne jegliche positive Reaktion von deiner Seite. Wer ist der Verantwortliche? Und ist das, was passiert ist, Zufall? Wenn der Verlust der Identität durch Zufall geschieht, dann ist das eine Katastrophe, und wenn das geplant ist, dann ist es ein Verbrechen.

 Ich will euch einen sehr wichtigen Punkt vor Augen führen:

Jede Gemeinschaft durchläuft zahlreiche Phasen: Eine Phase vor dem Aufschwung, eine Anfangsphase, dann eine Phase des Aufblühens und schließlich eine Phase des Höhepunkts. Von da an beginnt die Gemeinschaft zusammenzubrechen. Was normalerweise passiert, ist, dass die wahre Kunst vermutlich in jeder dieser Phasen einen Vorrat für die nächste Phase bereitstellt. Wenn die Nation aufleben will, muss die Kunst der nächsten Phase entsprechen, so dass sie die Nation damit vorantreibt. In der Phase des Aufschwungs muss sich die Kunst mit diesem Ereignis befassen, indem es die Gefühle der Menschen beruhigt, um sich mit diesem Aufleben zu beschäftigen.

 Aber die Realität sagt uns, dass es Nationen gab, die nicht wieder aufgelebt sind und es auch nicht wollten. Sie waren damit zufrieden, am Boden zu sein. Sicherlich gehören wir nicht zu solchen Nationen. Die Lebensgestalter sind ja bereits mit einer Botschaft gekommen, in der sie sagen: Wenn wir nicht die Möglichkeit haben, den Aufschwung zu verwirklichen, sollten wir wenigstens den Willen dazu haben. Aber helfen uns Kultur und Kunst in unserem Land bei dieser Sache?

 Das kann nur passieren durch diese entscheidenden Punkte: Jede Gemeinschaft durchläuft eine Phase, und wir befinden uns gerade in der Anfangsphase des Aufschwungs. Wir hoffen, dass unsere Künstler danach streben, unserer Kunst und Kultur den nötigen Antrieb für den Aufschwung zu geben.

Ganz besonders gefährlich ist es aber, die Kunst eines Volkes nachzuahmen, dessen Aufschwung ihren Höhepunkt erreicht hat, und beginnt, in Lüsternheit abzudriften (Leute, die tanzen und idiotische Bewegungen machen). Es ist gefährlich, wenn du dann diese Worte in den Weg der Gemeinschaft legst, die einen Aufschwung anstrebt. Es ist als wenn du mit der Kultur und der Kunst einer anderen Nation ankommst, die aufgelebt ist und jetzt dabei ist zusammenzubrechen, und du diese dann einer Nation gibst, die damit kämpft, stabil zu bleiben. Das wird zum Niedergang dieser Nation führen, sogar ein schlimmerer Niedergang als von der Nation, die begonnen hat, zusammenzubrechen.

Versteht ihr jetzt die Wichtigkeit von Kultur und Kunst im Aufbau eines Aufschwungs und ihren riesigen Einfluss, entweder über dessen Erfolg oder aber seinen Zusammenbruch?

Schaut auf unser Land in einer Phase nach der Kolonisation in den 50er Jahren. Wie waren die Kunst und die Kultur zu dieser Zeit? Alles trieb den Aufschwung nach vorne. Das stimmt doch, oder? Alle Künste drehten sich um den gleichen Inhalt, und du hörtest diese Worte in den Liedern: „Bruder, die Unterdrücker haben die Grenzen überschritten, es ist an der Zeit für den Kampf und für die Erlösung.“ Oder ein anderes Lied: „Halte dich für einen Angriff vom Gegner bereit.“ Wie waren die Lieder zur Zeit des Krieges vom 6. Oktober? Was war da mit der Kunst und der Kultur, die die Soldaten und die Armee auf das Schlachtfeld trieb und das Blut in ihren Adern kochen ließ? Die Lieder waren für die ägyptische Armee bestimmt. Derjenige, der diese Lieder schrieb, wusste, in welcher Situation sie sich befanden. Er kannte auch die Kultur der ägyptischen Armee und wusste, wie wütend sie sein würden, wenn sie solche Worte hören würden: „Das Mädchen sagte: Mein Kleid liegt am anderen Ufer des Kanals.“ Das bedeutet, dass sie bat, ihre verlorene Würde zurückzubringen, um sie zu bedecken. Diese Worte trieben die Männer auf das Schlachtfeld, um ohne Zögern zu reagieren.

 In welcher Phase befinden wir uns denn jetzt? Wenn ihr meint, dass wir nicht wieder aufleben und am Boden bleiben wollen, dann machen die Künstler eben, was sie wollen, und es ist ihr gutes Recht. Wenn wir aber ehrlich sind und wir einen Aufschwung haben wollen, dann rufe ich euch hiermit auf, dass jeder, der meine Worte hört, folgendes an die Künstler weiterleitet:

 Ich bitte euch, wir sind jetzt am Beginn des Aufbaus des Aufschwungs, und diese Phase macht es notwendig, dass wir Hand in Hand zusammenarbeiten. So helft uns und überlegt, wie wir diesen Aufschwung vorantreiben könnten. Es ist eine große Sünde, dass es jemanden gibt, der hier aufbaut, und einen anderen, der dort zerstört.

 Dann gibt es da noch eine Frage, bevor wir diese Folge abschließen, oder vielleicht noch zwei oder drei Fragen auf die Schnelle:

 Ist Musik erlaubt oder nicht? Sind Lieder erlaubt oder nicht, die Schauspielerei, das Kino und das Theater? Und dürfen Frauen schauspielern oder nicht? Darf ich Musik hören oder nicht? Und die Sänger, dürfen sie singen, oder nicht? Das Thema ist noch viel weitreichender. Und die Muslime trauen sich nicht, auf diese Fragen zu antworten. Sie bevorzugen es, die Antworten den Gelehrten zu überlassen, die das Recht haben, islamische Rechtsgutachten (Fatwas) auszusprechen. Wie können wir es aber wagen, etwas zu erlauben oder zu verbieten, das nicht zu uns gehört? Versteht ihr, was ich damit meine? All die künstlerischen Aktivitäten kommen aus dem Ausland, und dann bitten wir die Muslime, ihre Meinung dazu zu äußern, ob diese erlaubt oder nicht erlaubt seien. Diese Aktivitäten passen nicht zu unseren Sitten oder unserer Umwelt. Denn sie sind ursprünglich für ein anderes Volk geschaffen worden, für eine andere Denkart, in einer anderen Phase und unter anderen Umständen, für andere Glaubensgrundsätze und andere Werte als unsere, und dann fragst du mich, ob diese erlaubt sind oder nicht?

 Wir können die Kultur als Hilfsmittel bezeichnen. Und diese Kultur ist ein Mittel, das du benutzen wirst. Wenn diese Kultur mit unseren Prinzipien übereinstimmt, während wir in der Anfangsphase des Aufschwungs sind, und es uns unterstützt, um uns zu nutzen, dann erst wird es nicht nur erlaubt, sondern das Mittel zur Bewegung des Aufschwungs sein, wie es im Krieg der Fall war.

Ich habe zwei Botschaften, die ich an die Künstler richten möchte.

 Die erste Botschaft:

Ich bitte euch, dass eure Kunst passend zu unserer derzeitigen Anfangsphase des Aufschwungs ist. So treibe den Geist der Menschen nach vorne. Wir werden einen Aufschwung erreichen und erfolgreich sein. Sei also nicht der Grund für unsere Unbedeutsamkeit oder unseren Untergang.

 Die zweite Botschaft:

Wir wollen nicht die Kunst vom Ausland importieren. Wir wollen, dass es unsere eigene Produktion ist, denn wir haben sie schon früher produziert. Wisst ihr denn nicht, dass das Mawwal, das Muashah, das Zagal und der Musaharati (alle sind arabische Volksgesänge) aus unseren Ländern kommen? Habt ihr denn vergessen, dass wir zahlreiche, für uns typische Künste besitzen? Wieso kommt ihr denn nicht mit neuen Künsten und Ideen? Dann erst wird es nicht nur erlaubt sein, sondern ein vorteilhaftes Mittel zum Aufschwung.

 Nun bleiben noch zwei Punkte auf die Schnelle:

Gibt es da Grenzen für die Freiheit der Kunst oder nicht? D.h. gibt es eine Zensur? Ich will euch etwas ganz offen sagen. Die Zensur ist eine neuartige Entwicklung, die aufgrund der Sicherheit und aufgrund von politischen Gründen eingeführt wurde. Sie existierte vorher nicht. Und das, was ich sehe, ist, dass es jedem überlassen sein sollte, das auszudrücken, was er will, und in der Art und Weise, wie er es will. Außerdem sollten ihm alle Mittel zur Verfügung stehen, die er braucht, um seine Meinung auszudrücken, ohne jegliche Zensur. Zur gleichen Zeit steht es dem anderen frei, sich so auszudrücken, wie er es will.

 Das sind nicht nur meine Worte. Der Koran erwähnt die Worte des Teufels und antwortet ihm. Und unser Glaube sagt uns, dass das stärkste Argument gewinnt. Daher sollten wir keine Befürchtungen um unseren Glauben haben, denn unsere Argumente sind sehr stark. Und zum Schluss erinnere dich: […Darum lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will…] (18: 29).

 Den letzten Punkt richte ich an die reumütigen und zurückgezogenen Künstlerinnen und Künstler. Eigentlich bin ich ja gegen die Begriffe reumütig und zurückgezogen. Ich bin dagegen, den Künstler reumütig zu nennen, weil es ganz allein eine Sache zwischen ihm und Allah ist. Ich bin gegen den Begriff zurückgezogen, denn warum sollten sie sich zurückziehen? Und wenn wir nicht glauben, dass es jemanden gibt, der die Botschaft der Kunst versteht, dann soll man es lassen. Ich weiß, dass die Künstler unter schweren Belastungen leiden. Doch ihre Mühe und Geduld lohnen sich.

Wir brauchen jemanden, der an diese Botschaft glaubt und ungewöhnliche Kunst anbietet. Es soll Kunst sein, die mit der Phase des Aufschwungs, in der wir uns zurzeit befinden, übereinstimmt. Es soll eine Produktion aus unserem Land sein und nicht aus dem Ausland importiert.

 Es bleibt noch etwas übrig. Es gibt viele jugendliche Künstler, die mich treffen und mir Fragen stellen. Und meine Antwort ist immer die gleiche: „Du musst immer der Träger einer Botschaft sein, und wehe dir, du lebst nur, um Geld zu verdienen. Denn du wirst am Tag der Abrechnung vor Allah stehen. Er wird dir dann sagen: „War Ich nicht gnädig mit dir? Habe Ich dich nicht mit einem Talent gesegnet? Habe Ich dich nicht unterstützt? Was hast du mit dieser Gabe gemacht?“ Wie wirst du Ihm dann darauf antworten? Wirst du Ihm sagen: „Gott, ich wollte nur meinen Lebensunterhalt verdienen und die Umstände waren so schwer.“ Dann wird Er dir sagen: „Du kennst meine Worte nicht: [Und im Himmel ist eure Versorgung und das, was euch verheißen wird. Darum, bei dem Herrn des Himmels und der Erde - dies ist gewiss wahr, eben wie (es wahr ist,) dass ihr redet.] (51: 22-23).“

Ihr jungen Künstler, ihr werdet einst vor Allah stehen und Er wird euch für all das verantwortlich machen. Er wird dir sagen: „Du hast die Gemeinschaft in die Irre geführt. Sie strebte einen Aufschwung an, und du hast sie untergehen lassen, weil du Geld machen wolltest.“ Was wirst du dann zu Allah sagen? Du wirst dir vor lauter Reue auf die Nägel beißen wegen deiner künstlerischen Arbeit, die du gemacht hast. Du wirst es bereuen und dir wünschen, nicht solche Kunst gemacht zu haben. Oder stell dir deine Freude vor, wenn Allah zu dir spricht: „Deine künstlerische Arbeit wird dich ins Paradies bringen, weil du ein Grund warst für die Errettung der Gemeinschaft. Geh, mein Geschöpf, du Künstler, denn Ich bin zufrieden mit dir.“ Stell dir deine Freude oder deinen Schmerz in diesem Moment vor.

Ich bete zu Allah, dass diese Botschaft die jugendlichen Künstler erreicht. Ihr, die ihr mich hört, ich bitte euch, dass ihr sie an alle Künstler weitergebt, die ihr kennt, besonders an die Kunstakademien, an die Akademien der Gestaltungskunst, der praktischen Kunst und der schönen Künste, an die Architekten, die Graveure, die Liedschreiber, Komponisten, die Musiker/Sänger, die Maler/Zeichner, an die Produzenten, Schriftsteller, an alle, die im Theater arbeiten, und alle, die im Bereich der Kultur, Kunst und Medien tätig sind, und an diejenigen, die im Fernsehen ihren Unterhalt finden, an die Moderatorinnen und Kommentatoren.

Ich bitte euch, die Gemeinschaft ist in einer Phase, in der sie wieder aufleben will. Ich bitte euch, euch gegenseitig an die Hand zu nehmen und einander zu helfen, die Gemeinschaft nach vorne zu bringen.

 Und bevor ich die heutige Sendung abschließe, möchte ich euch bitten, nochmals eure Träume im Bereich der Kunst und Kultur auf die Webseite zu senden. Ich möchte, dass ihr mit den Künstlern in Kontakt tretet und dass sie uns ihre Meinungen zuschicken, damit wir sie zu dem hinzufügen können, was wir bereits haben.

 Eine zweite Bitte ist das Projekt zur Beseitigung des Computeranalphabetismus. Es sollte mit größter Stärke ausgeführt werden, und wir müssen uns größte Mühe dafür geben.

Ich bitte alle Anwesenden und alle, es nicht zu akzeptieren, wie die Identität unserer Gemeinschaft verloren geht, und ich bitte euch, unsere Kultur und Kunst zu bewahren.

 Ich wünsche mir von Allah, dass meine Worte nützlich waren.

Friede sei mit euch und die Gnade Gottes.

As-salamu aleikum wa rahmatulallahi wa barakatuh


[1] Salla-llahu 'alaihi wa sallam: Allah segne ihn und schenke ihm Heil. Segensformel, die nach koranischer Aufforderung (vgl. 33:56) für den Propheten Muhammad gesprochen werden soll. Nach islamischer Tradition wird dies vor allem regelmäßig bei der Erwähnung des Propheten getan.

[2] Die überlieferten Aussprüche des Propheten.

 

 

 

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